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Mallorca, 19.10.08

Hola, Palma!
Irgendwann packt es jeden, denn was sind schon Hannover, Benthe, Münster oder andere wohlklingende Orte, wenn ein internationaler Lauf ruft? Und so kam der glückliche Zufall, dass der Familienurlaub in den Herbstferien mit dem Marathon in Palma de Mallorca zusammenfiel und meine Frau sagte: "Klar kannst Du da laufen!". Also, angemeldet und viele Trainingseinheiten nach der Schulter-OP im April sollten zu einem Jahres-Highlight führen.
 
Eine Woche vor dem Wettkampf ab in den Flieger (was sind schon 38 Grad Fieber?) und erst einmal auskurieren. Somit noch einmal 6 Tage vor dem großen Tag auf Mallorca geübt (Paguera-Port Andratx, ca. 18 km, leicht bewölkt, 24 Grad, einige Höhenmeter). Und dann auf Sonntag (19.10.) warten und faul am Pool liegen bzw. das Meer unsicher machen, mit dem PKW Mallorca erkundigen.
 
Und dann der große Tag. Achja, hinkommen muß ich auch noch. TUI-Marathon, über TUI gebucht - dann klappt das mit dem Bustransfer vom Hotel zum Start-/Ziel-Bereich schon, sagte mein Reisebüro des Vertrauens. Über das Reisebüro im Vorfeld versucht, das ich mit auf die Liste komme: 2x Fehlanzeige. Kurze Dienstwege vor Ort und so: Fehlanzeige, da Reisebetreuung vor Ort auf Kollegen verwies, die ab Donnerstag (16.10.) täglich vor Ort sein werden. Und die sagten, wir geben nur Unterlagen aus, an Personen, die bereits in Deutschland gebucht haben. Nunja, TUI sitzt in Hannover, weglaufen können die nicht...
 
Apropos laufen: ein Kumpel der zeitgleich auf Mallorca war, hat mich dann nach Palma gebracht. Wozu doch Freunde gut sind. Ankunft gegen 7:45 Uhr, Morgendämmerung, ca. 16 Grad, Laufdress (kurz oder besser noch: ganz kurz, schließlich waren die Tage vorher permanent selten unter 25 Grad und gnadenloser Sonnenschein) bereits an, T-Shirt drüber, das reicht, Sonnencreme nicht vergessen, puh - das beruhigt! Palma schläft noch, die ersten Straßensperrungen werden eingerichtet. Am Parc de la mar, unterhalb der wuchtigen Kathedrale La Seu, der Start-/Zielbereich tummeln sich schon die Frühaufsteher, 9:00 Uhr Start für die 42,2 und 21,1 km (10 km um 9:20 Uhr). Abholung der Startunterlagen, Scannen des Chips und dann Anbringen der Start-Nr. Ein kurzer Gang um den Parc de la mar: aha, da die Duschen (Duschen? - später mehr...), hier der der Zieleinlauf, Marathon-Market, Boxi's (na, das sind die spanischen Dixi-Klo's) - ui, schon 8:10 Uhr - schnell mal den letzten Gang machen. 12 Minuten später erleichtert. Klamotten abgeben (8:25 - 8:45 Uhr), das hat beides lange gedauert.
 
Startblockeingang suchen, kurz warmlaufen - ach nun ja, bei mittlerweile gut 20/22 Grad, die Sonne ist deutlich hinterm Horizont aufgetaucht auch nicht mehr erforderlich, in Block einreihen. Noch 5 Minuten. Alle Beschilderungen in spanisch, deutsch und englisch (50 Nationen waren vertreten - lt. Veranstalter), das merkt man auch bei der Moderation. Ein Mega-Lautsprecher und voll aufgedreht, da hielten sich schon einige Läufer die Ohren zu, knapp über der Schmerzgrenze! Kreisender Hubschrauber (http://www.runnersworld.de/marathon_palma_de_mallorca_2008.107589.d_mh_05_fotogalerie.htm?skip=1) und ich mittendrin. Die Strecke soll besonders im 2. Teil anspruchsvoll sein, Benthe war mein Trainingsrevier, die Altstadt der Hauptstadt von Mallorca werde ich da wohl knacken. Insgesamt 6.310 Teilnehmer (Kinderlauf 1.500, Marathon 1.223, Halbmarathon 2.463 und 10 km 1.124 Läufer) folgtem dem Ruf von eichels:event aus Hannover.
 
Dann der Startschuß vom Chef persönlich, vielen Dank, Herr Frenzel, los gehts. Laufen. Laufen. Laufen. Sonne im Rücken. Zaghafte Anfeuerungen auf den ersten km, Guten Morgen, Ihr Trüben Tassen. Weiterlaufen. Hui, was ist denn das auf der Gegenfahrbahn, der erste Läufer, der die erste Wendemarke bei Porto Pi (ca. km 4,75) erreicht hat und ich habe noch etwa 750 Meter bis dahin (also etwa 750 Meter hin und auch wieder zurück, das sind schon 1,5 km Vorsprung- Streber!). Wende, das bedeutet wie in der Formel 1 runter von Vollgas auf Schleichtempo und gleich wieder auf Vollgas, bloß keine Zeit verlieren. Erster Erfrischungsstand - voll cool: hier gibt es stilles Wasser in 0,33-Ltr.-Flaschen. Perfekt für jeden Läufer. Trinken, kühlen, Deckel drauf und später weitertrinken. Kein Pfandsymbol oder so, das ist prima! Weiterlaufen nicht vergessen. Schönste Inselmarathon der Welt, so der Slogan. Mal sehen, nun geht es vorbei an den Molen mit Schiffchen, später auch beeindruckende Yachten. km 6, 7, 8, dann wieder ein Wendepunkt (Formel 1-Feeling, yeah).
 
Dabei sieht man die Vorausläufer und natürlich auch die nachfolgenden Sportler. Der Führende ist wohl schon im Ziel, so mein Gedanke... Bei km 9 geht es am Parc de la mar (Start/Ziel) vorbei, Ohrenschmerzen lassen die kräftigen Schweißperlen auf der Stirn vergessen. Geradeaus weiter, wieder eine Wendemarke (ist auch schon die letzte bei der HM-Strecke). Km 10 wird bei dem plärrenden Lautsprecher passiert und dann geht es langsam in Richtung Altstadt. 10 km, so später die offizielle Zeit, passiere ich bei 48:00 Minuten. Ui, da fehlen etwa 20/25 Sekunden zur angepeilten Zeit, ruhig bleiben, das passt schon. Altstadt, das sind beschauliche Gassen, so mein Weltbild vorm Lauf. Nun, mitten im Geschehen, habe ich mich mehr an Benthe oder den Harzgebirgslauf erinnert gefühlt. So eine Herausforderung: das Thermometer steigt mittlerweile auf 26 Grad, ansteigende Straßen, Gassen, Fußwege und natürlich auch wieder herunter. Und wieder herauf und wieder herunter, wieder rauf und auch wieder runter. Die lügen die Gallier - äh - Spanier: http://www.tui-marathon.com/strecke/set/profile.pdf, irgendwie passt dieses abgespeicherte Bild nicht zum tatsächlichen Verlauf.
 
André, hör auf zu zählen, wieviele Steigungen es sind, lauf lieber und lass dich nicht mehr so viel überholen, pocht es im langsam überhitzten Hirn. Ab km 13 kam der eine oder andere Läufer vorbei. Und warum? Der km-Schnitt ging von 4:47/4:50 auf deutlich über 5:00 Minuten hoch (schlechteste km war bei 5:43). Das kriegst du nur mental hin, laufen, laufen, laufen, an anderen Läufern orientieren, dranbleiben, beißen. Erfrischungen jedes Mal ansteuern, diese coolen Flaschen und keine von den Helfern mühsam aufgefüllten Becher. Trinken, über Kopf und Rücken schütten, trinken, was schon leer?? Wegwerfen! Mallorca erwacht, die Sonne brüllt, die Gassen sind nur im Winter kalt, ehrlich, dann wieder hoch und wieder runter... An der Kathedrale wieder raus, das Ziel ist sichtbar, aber immer noch 4-5 km, die km-Zeit sinkt, ja sie sinkt auf etwa glatte 5 Minuten. Mittlerweile nicht mehr die Frage nach Bestzeit sondern eher, ob ich unter 1:45:00 Std. bleibe??? Asphalt, Kopfsteinpflaster, was die Spanier so alles verbaut haben. Hübsch, dieser Inselmarathon! Benthe hatte überwiegend Waldwege und zwitschernde Vögel. Die sehe ich auch bald. Wie lange noch? Wo bin ich eigentlich laut dieser Skizze: http://www.tui-marathon.com/strecke/set/CIRCUIT_MEDIA_MARATON_2008_de.pdf?
 
Aaahhh, die Verrückten biegen nach links ab, das ist der Abzweig für die Marathonis, jetzt haben die nur noch rund 23 km, aber das wohl wirklich auf ebener Strecke. Viel Spaß! Die Halbverrückten, also einer wie ich, dürfen die Lauscher aufsperren, wann wird endlich der Mega-Lautsprecher zu hören sein? Dann ist das Ziel in Hörweite, aber noch immer 2 km. Sonne wieder von hinten, Außentemperatur bei mind. 26 Grad, gefühlt deutlich über 30 Grad. Läufer die mich überholen, Respekt! Ich kann den letzten vollen km Gas geben und andere Läufer überholen, die Zeit mit 4:39 spricht Bände, es geht bergab. Noch um ein Gebäude, dann ist endlich das aufblasbare Ziel zu sehen. Rauf auf den roten Teppich, die letzten 200 Meter, wieder leicht bergab, und Schluß! Hochroter Kopf = Wasser, Wasser, Wasser, Pause, hinsetzen, besser ist das!! Ein paar Läufer hat es unterwegs erwischt, mich nicht. Trotz leeren Magens am Morgen zeigten mir Ansätze von Übelkeit während der Endphase des Laufs, dass ich bis an meine Grenze, aber nicht darüberhinaus gegangen bin. Was sagt eigentlich die Zeit? Nüchterne 1:44:25 Std. Komm, sei zufrieden, André! Deutlich unter 1:45:00 Std.
 
 
Das heißt Platz 102 der AK (von 285), vor mir waren gut 35 % der Läufer meiner AK. Gesamtplatz 432, nur rund 30 Frauen vor mir, kann ich zufrieden sein? Platz 432 von 2.463 bedeutet auch, das nur 17,5 % aller Läufer vor mir im Ziel waren und über 2.000 LäuferInnen noch laufen mussten, als ich schon 3 Erdinger getrunken habe. Im Ziel wird sehr viel deutsch gesprochen, irgendwo kann ich pingpank.de lesen, die gibt es auch überall. Und was ist sonst den Gesprächen zu entnehmen? Viele haben über die Altstadt geflucht, Top-Zeiten waren nicht drin und so weiter. Was bleibt? Ein Jubiläumslauf (mein 30. Halbmarathon) in sengender Hitze und viele Glückshormone, die nach dem Lauf ausgeschüttet wurden. Und nächstes Jahr? Herbstferien könnte wohl wieder Mallorca sein, aber der allerletzte Ferientag ist der Marathontag auf Mallorca. Also wohl ohne mich.
 
PS: Getrunken bzw. verschüttet habe ich 1,5 Ltr. unterwegs. 1 Ltr Wasser, 0,5 Ltr. Cola und 1,5 Ltr. Bier im Ziel. Leute, es war heiß! Und die Duschen? Super, Mallorca ist ein wasserarmes Land, Münster war Schlaraffenland dagegen. Stell Dir 30 Duschköpfe vor mit einer Wassermenge, die für 3 Duschköpfe angemessen gewesen wäre. Kalt war es auch, aber bei knapp 30 Grad genau richtig! Anfangs sprach ich von einem Jahres-Highlight, ja, so etwas war es schon. Noch mehr? Dann schau hier: http://www.finisherclip.com/de/previews/index/35/4453, Zieleinlauf bei Zieluhr 1:45:30 (rotes Shirt, schwarze Hose).
 
André Bellersen
        
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